Von der Bodenverdichtung zur Abflußverschärfung

Von Robert Holzschuh

Landwirtschaftliche Nutzflächen sind im Gegensatz zu nicht bewirtschafteten Böden hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt, die oft zu Gefügeverschlechterungen (Verdichtung) führen. Bei einer Verminderung der Infiltrationsleistung des Bodens durch Befahren mit schwerem Gerät (Bsp. übernäßte Traktorfahrspuren auf landwirtschaftlichen Flächen), spricht man von Verdichtung. Mit Großtechnik und vereinfachten Fruchtfolgen haben mechanische Belastungen zugenommen. Die Auswirkungen dieser Belastungen sind bis in 40 cm Tiefe nachweisbar (Pflugsohle). Oberflächennah sind die Veränderungen am größten, das Porenvolumen fällt auf < 3 % (natürlich gelagerte Mineralböden: 30 - 90 %). Als besonders anfällig gegenüber mechanischen Beanspruchungen gelten tonarme, schluffreiche Mineral- und Moorböden.

In der Bundesrepublik bestehen 83,5 % der Fläche aus Wald und offenem Land. Davon sind 53,5 % landwirtschaftliche Flächen und davon wiederum 30 % Ackerflächen. Die auf diesen Flächen stattfindende Verdichtung hat nicht nur direkte Folgen für die Bewirtschaftung, sondern auch für den Wasserhaushalt dieser Flächen. Verminderte Infiltrationsraten führen zu erhöhtem Oberflächenabfluß und damit zu einem verminderten Rückhalt.

Wichtigstes Instrument der Agrarstrukturpolitik in der Bundesrepublik ist die GAK (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) (aus: UBA, 1994). Ziel dieser zeitlich befristeten Förderungsprogramme ist die Extensivierung der landwirtschaftlichen Produktion (1991: 480.000 ha, 4,2 % der Ackerfläche der BRD aus der Produktion genommen, Kosten: 245 Mio. DM). Durch diese Maßnahmen, so das Umweltbundesamt 1994, kommt es aber nicht zu der gewünschten ökologischen Entlastung, sondern vielmehr zu einer Überkompensation durch Intensivierung und Produktionszuwächse auf den verbliebenen Flächen. Damit verbunden ist u.a. eine zunehmende Bodenverdichtung.

Fazit: Die GAK hat einen erheblichen Anteil daran, daß naturnahe Formen der Landbewirtschaftung mehr und mehr zurückgedrängt worden sind. Sie fördert eine Landwirtschaft, die charakterisiert ist durch [...] verdichtete Feldfluren mit stark gestörtem Wasserhaushalt (aus: UBA, 1994).

Nach Klaghofer (1985) ist die Schaffung eines wasserstabilen Bodengefüges eine wesentliche Maßnahme zur Verringerung des Oberflächenabflusses [...] (aus: Bundesanstalt für Gewässerkunde, 1996). Daran knüpft die von der Bundesanstalt im Dezember 1996 herausgegebene Schrift "Hochwasser - Gedanken über Ursachen und Vorsorge aus hydrologischer Sicht" in Kapitel 2.3.3.1 (Defizite des Bodenspeichers und der Versickerungsleistung) an.

Das Szenario der Bundesanstalt für Gewässerkunde beschäftigt sich mit dem Einzugsgebiet von Neckar, Main und Mosel (70.000 km2, davon 17.000 km2 (25 %) Ackerfläche) und nimmt an, daß 10.000 km2 davon potentiell versickerungsfähig sind. Als Beispiel werden die Niederschläge vom 19./20.3.93 (40 - 80 mm) herangezogen. Davon versickern, durch landwirtschaftliche in Verbindung mit landespflegerischen Maßnahmen (z.B. Anlage von Hecken, Feuchtgebieten usw.), 10 mm. Daraus resultiert ein zurückgehaltenes Niederschlagsvolumen von 100 Mio. m3.

Vergleichszahlen: Im Dezember 1993 schwappten in Köln rund 170 Mio. m3 in die Altstadt. Entlang des Oberrheins sind Retentionsvolumina (Rückhaltevolumen) von insgesamt 270 Mio. m3 vorgesehen, etwa ein Drittel ist derzeit nutzbar. Spezifische Kosten je 100 Mio. m3 Retentionsraum: 660 Mio. DM.

Die Verbesserung des Wasseraufnahmevermögens von landwirtschaftlichen Nutzflächen kann den Bau von Rückhaltepoldern nicht ersetzen, aber möglicherweise sinnvoll ergänzen. Da eine Extensivierung der Landwirtschaft ohnehin vonnöten ist (z.B. wegen des Grundwasser- und Naturschutzes) könnte der damit gleichzeitig bewirkte Hochwasserrückhalt preisgünstig verwirklicht werden.

Literatur zum Thema "Landwirtschaft und Hochwasser"


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