Vom Leben am und mit dem Rhein -
zum Leben neben dem Rhein

Von Jörg Lange

Vor der Tullaschen Rheinbegradigung erstreckte sich der Oberrhein (= Rhein von Basel bis Mainz) auf einer ausgedehnten Fläche von ein bis zwei, zuweilen bis vier Kilometern Breite. Durch unterschiedliches Gefälle entstand im badisch-französischen Abschnitt des Rheins bis etwa zur Murgmündung die "Furkationszone" (kommt von lateinisch furca, die Gabel, und bedeutet Vergabelung). Sie war gekennzeichnet durch zahlreiche teils parallel verlaufende, teils vergabelte Wasserläufe von geringer Tiefe. Dazwischen lagen über 2000 Kies- und Sandbänke, die oft verformt oder verlagert wurden.

Siedlungen waren im wesentlichen am äußersten Rand der Ebene zu finden. Die von den zahlreichen Flußarmen eingeschlossenen Flächen wurden kaum landwirtschaftlich genutzt, da sich hier bei der großen Dynamik nur an wenigen Stellen eine Pflanzendecke ausbilden konnte. Am Rande herrschte der von Wasser durchflossene Auwald vor. Die Nutzung beschränkte sich auf Fischerei, (Vogel-)Jagd, Holzschlag und Goldwäscherei durch Rheinanliegergemeinden.

Anders in der "Mäanderzone". Auf dieser Strecke nimmt das Gefälle ab. Die Kiese und Sande wurden an Stellen schwacher Strömung angelandet und an Stellen starker Strömung abgetragen. Es entstanden die typischen Flußmäander. Sie bildeten immer stärkere Schlingen, bis sie sich schließlich selbst abschnitten. Die abgetrennten Schlingen verlandeten im Lauf der Jahrhunderte allmählich und werden Altrheine genannt. So enstand ein tiefer Hauptstrom mit wenigen Nebenarmen und ca. 60 großen Kiesinseln.

In der Mäanderzone fanden sich auch nahe der weit ausgreifenden Stromschlaufen einige größere Ortschaften. Das Land nahe des Rheins wurde überall bewirtschaftet, wenn auch aufgrund häufiger Überschwemmungen wenig intensiv. Zwar stand es bei Hochwasser immer wieder unter Wasser, doch konnte die Pflanzendecke den Boden in der Regel halten.

Jedes Hochwasser bedeutete einen Eintrag düngenden Schwemmschlamms, unter Umständen aber auch wochenlang stehende Moraste. Fruchtbarer Acker- oder Wiesenboden wurde teilweise mit einer undurchdringlichen Kies- oder Sandschicht überzogen.

Die andauernden Umlagerungen des Stromes zwangen im Laufe der Jahrhunderte zu Ortsverlegungen, die gerade aus der Sicht der Gemeinden sicherlich dramatisch waren. Besonders folgenreiche Hochwasser entstanden im Winter durch die blockierenden Eisgänge. Hochwasser konnten Ufer so stark unterspülen, daß eine halbe Stadt - wie bei dem vielleicht prominentesten Beispiel Neuenburg (Furkationszone) im Jahre 1480 geschehen - fortgespült wurde. Oder der sich ändernde Stromlauf zwang Dörfer zur Umsiedlung an einen anderen Ort, wie zum Beispiel Knaudenheim (Mäanderzone), das nach seiner Umsiedlung 1758-1761 Huttenheim genannt wurde.

Dämme konnten zwar, wenn sie nicht einbrachen, gegen Überflutung schützen, jedoch nicht verhindern, daß Wasser unterirdisch durch den durchlässigen Untergrund gelangte und jenseits der Dämme aufstieg. Dieses weniger dramatische, dafür nachhaltiger schädigende Druckwasser - früher Quellwasser genannt - drang in Häuser, Dämme, Straßen und Felder ein, und bei längerem Anstehen führte es zu erheblichen Ernteausfällen.

In der Periode ab 1740 bis ins 19. Jahrhundert wurden starke und langandauernde Niederschläge mit hohen Wasserständen registriert.

Die neuen flußnahen Aufschüttungen des Rheingeschiebes verhinderten dadurch die Überschwemmung der Auen. Dies führte in den Siedlungen stromabwärts in zunehmendem Maße zu Hochwassereinbrüchen. Sowohl die Siedlungen als auch die im 18. Jahrhundert neu angelegten flußnäheren landwirtschaftlichen Nutzflächen versuchte man ebenfalls verstärkt durch höhere Dämme zu schützen. Diese engten ebenso die Hochwassermassen ein, was wiederum eine Erhöhung der Dämme flußabwärts erforderlich machte. Ein Teufelskreis, der zu weiteren Ortsverlegungen und zur Aufgabe von landwirtschaftlichen Nutzflächen zu führen drohte.

Die deswegen von Tulla in der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts vorgeschlagene Oberrheinkorrektion war also nicht der erste Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft der Oberrheinniederung.

"Kein Strom oder Fluss, also auch nicht der Rhein, hat mehr als ein Flussbett nöthig, oder, welches einerlei ist, kein Strom oder Fluss hat in der Regel mehrere Arme nöthig." (Johann Gottfried Tulla, 1812)

Tullas Vorschläge zur "Rectification" des Oberrheins (heute ist dafür der wasserbauliche Fachbegriff "Korrektion" üblich) zielten im Gegensatz zu allen früheren Eindeichungen auf die Tieferlegung des Strombettes. Der Rhein sollte in einen zwischen zwei parallelen Ufern eingefaßten Hauptstrom überführt werden, damit sich das auf diese Weise gebündelte Wasser selbst tiefer in das Rheinbett eingrabe. Dadurch sollten der Grundwasserspiegel entlang des Rheines abgesenkt, die durch Hochwasser verursachten Zerstörungen gemindert und fruchtbares Ackerland trockengelegt werden ("Landesmelioration"). Der geplante Lauf in leichten Bögen sollte die Gefahr von Aufstauungen durch Eis reduzieren. Die Schutzdeiche sollten ausgebaut und die Nebengewässer reguliert werden, um Rückstauungen bei Hochwasser zu vermeiden.

Hochwasserschutz am Oberrhein = Hochwassergefahr am Mittelrhein ?

Ja oder Nein zur "Rektifikation" des Rheins?

Schon ein Gutachten der Oberbaudeputation in Berlin verwies darauf, daß dem preußischen Rhein insgesamt durch das Zusammentreffen der Hochwasserspitzen des Rheins mit denen seiner Nebenflüsse höhere Flutwellen als bisher zugeführt würden. Vor allem den mittelrheinischen, zwischen Felsen eingebetteten Städten und Dörfern drohe Gefahr. Es sei außerdem zu befürchten, daß durch die zu erwartende Geschiebezunahme die nicht eingedeichten Felder am Niederrhein bei Hochwasser mit Sand und Kies überdeckt werden könnten, und daß im Winter die Gefahr von Eisstopfungen vermehrt würde.

Fritz André, einer der schärfsten Kritiker der Oberrheinkorrektion war der Meinung, daß "Die Krümmen der Flüsse sind als eine sehr wohlthätige Einrichtung der Natur zu betrachten, welche vermöge der öfteren Stauungen, dem Zunehmen der Geschwindigkeit und dem Zuseichtwerden der Flüsse bei niederem Wasserstande, wesentlich steuert, und so eine bessere Schifffahrt gewährt und erhält." (Fritz André 1828)

Die Befürworter bestritten dagegen jeden Anhaltspunkt dafür, daß die Hochflut des Rheines mit jenen der größeren Nebenflüsse zusammentreffe und daß mit größeren Gefahren an Mittel- und Niederrhein zu rechnen sei.

Der Strom durchbreche die Mäander auch natürlicherweise, dann aber unkontrolliert und mit unübersehbaren Folgen auch für die unteren Stromabschnitte. Zudem seien künstliche Durchschnitte auch keine Neuerung und es gebe viele historische Beispiele ohne Einsprüche der rheinabwärtsliegenden Staaten. Durch künstliche Durchstiche würden Uferabbrüche vermieden und damit der Geschiebetransport verringert und die Neubildung von Krümmen erschwert. Das Geschiebematerial der Durchstiche würde zur Verlandung der Altrheine benötigt. Schließlich könnten auch im Mittelrhein Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen unternommen werden, wie Felsensprengungen am Binger Loch, Erhöhung der Leinpfade und Uferstrassen (Honsell, 1885)

Mit der Oberrheinkorrektion ist auf eine - auch für den Oberrhein - neue Epoche verwiesen, in der große Flüsse nur noch unter dem Aspekt ihrer Nutzbarkeit als Wasserstraße wahrgenommen wurden: "Der Mensch muß das Wasser beherrschen, und naturgemäß verwenden" (Der Preußische Baurat Dieck 1879).

Die dargestellten Positionen zur Oberrheinkorrektion gingen von unterschiedlichen Naturbegriffen aus. Für den badischen Staat mit seiner Verwaltung und seiner Ständeversammlung stellte die Natur einen kostenerzeugenden Störfaktor dar. Die Auseinandersetzungen über die Tullaschen Pläne beschränkten sich folgerichtig auf eine Gewinn- und Verlustrechnung.

Die vielen Befürworter der Korrektion im 19. Jahrhundert betrachteten Flüsse und Ströme in ihrem natürlichen Zustand als Einschränkung der Menschen. In den Korrektionen fanden sie das Mittel, das den Menschen am Oberrhein und an anderen Flüssen erlaubte, besser zu leben und zu wirtschaften.

Das aus heutiger Sicht bedeutende Argument der Hochwasserverschärfung für Mittel- und Niederrhein infolge des mit denen seiner Nebenflüsse zusammenrückenden Hochwasser des Rheins wurde schließlich nicht mehr aufgegriffen und blieb am Ende ohne weitere politische Auseinandersetzung stehen.

Die Arbeiten wurden - weitgehend nach Tullas Plänen - zwischen 1817 und 1876 ausgeführt. In der Furkationszone verbaute man vom Hochufer aus die zahlreichen Nebenarme und die dadurch erhöhte Schleppkraft des Hauptarms tiefte bei jedem Hochwasser sein eigenes Bett ein. Die Seitenarme wurden danach weniger stark durchflossen und der Hauptstrom konnte weiter in Richtung geplanter Linienführung verbaut werden. Nach der Korrektion war das Hauptstrombett südlich Breisach nur noch 200 m und nördlich Breisach nur noch 250 m breit. Diese Breite des Flußbettes reichte für eine Wassermenge bei mittlerem Abfluß. Höhere Abflüsse überschwemmten das seitlich davon liegende Grünland und Auwaldgebiet bis zu den Dämmen.

Die Folgen

Durch die Oberrheinkorrektion wurde der Stromlauf in der Furkationszone um 14 % von 218 km auf 188 km verkürzt und in der Mäanderzone um 37 % von 135 km auf 85 km. Die mittlere Strömungsgeschwindigkeit hatte sich von 0,08 m/s auf 2,0 m/s erhöht und die Tiefenerosion schritt voran. Schon 1884 war auf der gesamten Strecke eine Senkung der Stromsohle eingetreten.

Für die Siedlungen der Oberrheinniederung bedeutete das eine weitgehende Sicherung gegen Wasserbedrohung durch den Rhein und seine Nebenflüsse. Nur die großen Hochwasser der 1870er und 1880er Jahre brachten noch größere Verluste, die alljährlichen periodischen Sommeranstiege dagegen waren nicht mehr gefährlich und hatten keine wochen- und monatelangen Überschwemmungen mehr zur Folge.

Langfristig wurden aus den Fischerdörfern der Niederung gewöhnliche Bauerndörfer, wie sie überall in der Rheinebene zu finden waren.

Durch beruhigte und deshalb besser nutzbare Häfen gewannen die sonst weitgehend isolierten Oberrheinsiedlungen Anschluß an eine europäische Wasserstraße, auf der Großschiffahrt nun zumindestens saisonal bis Straßburg möglich war. Insgesamt wirkte die Oberrheinkorrektion wie eine Konjunkturspritze auf die Siedlungen der Niederung, nicht nur durch den direkten Effekt der großen Verdienstmöglichkeiten bei den arbeitsintensiven Rheinbauten, sondern auch durch die Aufwertung der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die wirtschaftlichen Verlierer dieses Prozesses - vor allem die Fischer und Goldwäscher - hatten lukrative Ausweichmöglichkeiten.

Die veränderte Natur aber wurde anscheinend von niemandem, weder Spezialisten noch Betroffenen, wahrgenommen, jedenfalls ist in den Quellen keine Rede davon.

Mit der Veränderung der Landschaften haben sich auch die Menschen gewandelt - stark sogar. Tullas Schriften lesen sich noch wie ein ökologisches Lehrbuch, er wußte um die Bedeutung seines vorgeschlagenen Eingriffes. Die Wirkungen auf Klima, Landschaft etc. hat er erstaunlich genau vorausgesagt. Das Vokabular der Zeit zum Thema war die eines Kriegsberichterstatters. Die Naturgewalt Rhein war der Gegner. So heißt es in einem Protokoll von 1825 zu Tullas Plänen: "endlich wird nun ein wohlentworfener und deßhalb wahrscheinlich erfolgreicher Kriegsplan gegen die Gewässer des Rheins geführt." (aus einem Protokoll der Verhandlungen der Stände-Versammlung des Großherzogthums Baden 1825)

Rund 53 Jahre später, nach dem weitgehenden Abschluß der Arbeiten zur Rektifikation des Rheins, lesen sich die Arbeiten über den Oberrhein bereits ganz anders. Nicht mehr die Ehrfurcht eines Tullas spricht jetzt, sondern die Überheblichkeit der spezialisierten Ingenieure, die den Rhein besiegt haben. Im Original klingt das dann in etwa so, "... man lege dem muthwillig vagabundierenden Schweizerburschen, - serpentiren nennen die Hydrotecten diese Unart - wie den mit ihm auf der Wanderschaft begriffenen (...) Kiesbänken ihr Handwerk, halte den Ersteren zu einem bescheidenen sittsamen Laufe an und zu fleissiger Arbeit und die Letzteren mache man sesshaft in dem von ihm keck in Deutschland geschaffenen Labyrinthe, damit Beide erfahren, dass, Dank unserm Reichskanzler, jetzt Ordnung bei uns herrsche!" (Anonym, zitiert nach Max Honsell ca. 1878)

Es ist erstaunlich wie wenig aufgearbeitet ist, was denn eigentlich die Folgen der Tullaschen Rektifikation waren. Das wäre um so interessanter, da einige Biologen dazu tendieren, bei der Wahl eines Referenzzustandes den Zustand des Rheins nach der Tullaschen Rektifikation zu favorisieren.

Sinkender Grundwasserspiegel - Verlust der Aue

Die Höhe des Rheinwasserstandes bestimmte und bestimmt bis heute den Grundwasserspiegel in der Niederung. Der Grundwasserspiegel folgt mit geringem zeitlichen Abstand dem Rheinwasserspiegel. Deshalb ist der Grundwasserspiegel in Rheinnähe starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen und die Ebene leidet sogar bisweilen unter starker Trockenheit.

An der Strecke zwischen Basel und Breisach gewann der Wald kurz nach der erfolgten Korrektion ab 1840 auf den verlandenden Inseln große Flächen hinzu. Doch schon bald setzte hier durch die gravierende Eintiefung des Strombettes eine Austrocknung des Waldes ein. Der Bau des Rheinseitenkanals im 20. Jahrhundert verschärfte diese Entwicklung dramatisch, so daß aus dem aquatisch bestimmten Auewaldgebiet ein Trockengebiet wurde.

Heute sind am gesamten Oberrhein nur noch etwa 2 % der ehemaligen Aue erhalten. Sie zeigen zwar noch den üppigen Vegetationscharakter, doch sie entbehren der ursprünglichen Dynamik der schnellen Umlagerungen.

Im Zuge der langsamen Verlandungen der Altrheine wurden immer mehr auch fremde und auenuntypische Holzarten, wie zum Beispiel die Italienische Pyramidenpappel, aufgeforstet. Hinzu kam das ab 1779 bereits durch die Rheindeichordnung geregelte Anpflanzen von "Faschinenwälder". (Faschinen sind etwa 3 bis 6 m lange und 0.3 m dicke Bündel aus nichtsperrigem Laubholz, vorwiegend Weiden, die zum Rheinverbau gebraucht wurden).

In der Rheinniederung wurden in jener Zeit durch Trockenlegungen neue landwirtschaftliche Nutzflächen geschaffen. Neue sogenannte Dammfelder wurden angelegt, in dem öde, teils als Weide, teils als schlechter Wald genutzte, mit Altwasserresten durchzogene Distrikte mit Dämmen umfangen, entwässert und schließlich zu Wiesen, selten zu Äckern umgebrochen wurden. Sie lagen in Rheinnähe oder in der Nähe von Seitenflüssen. Durch "Dammfelder" und die gezielte Verlandung durch Einschwemmen von Festpartikeln und ihre Fixierung durch Weidenpflanzen wurden schon vor der Oberrheinkorrektion ausgedehnte Wiesenflächen gewonnen. Entwässerte Bruchgebiete bargen Torf in einiger Tiefe, der ab der Jahrhundertwende bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts gestochen wurde.

Doch all dies neu gewonnene Wiesenland war noch immer überfeuchtet und häufig überschwemmt. Die gezielte Austrocknung von Auewald und das Absenken des Grundwasserspiegels war erst mit der Oberrheinkorrektion im 19. Jahrhundert möglich.

Sommer- und Winterhochwasser am Rhein

Die Sommerhochwasser werden durch die Schnee- und Gletscherschmelze im Alpenbereich verursacht, nehmen jedoch mit größer werdendem Einzugsgebiet am Oberrhein zügig ab, da sie keinen Nachschub vom Schwarzwald und den Vogesen bekommen. Die Winterhochwasser stammen auch aus dem voralpinen Bereich, werden aber zusätzlich durch die Nebenflüsse weiter aufgebaut.

Der "Große Winter" 1740 leitete eine bis in die 1820er Jahre nicht abbrechende Kette von Hochwassern ein. Zwischen etwa 1810 und 1824 lag eine "etwa 15jährige Periode höchst unruhiger Wasserstandbewegungen im Rheingebiet". Danach folgten 20 Jahre mit verhältnismäßig niederen Wasserständen. Ab 1844 begann eine Periode starker Wasserführung mit einem Hochwasser 1845 nach dem strengsten Winter des Jahrhunderts von 1844/45, gefolgt von den Hochwassern von 1851 und 1852. Nach 1852 herrschten über zwei Jahrzehnte vorwiegend niedrige Wasserstände vor mit örtlichen Hochwassern, beendet durch das Hochwasser 1876. Es leitete eine Phase hoher Wasserstände ein und gipfelte im Katastrophenhochwasser von 1882/83. Dabei ist zu beachten, daß es kein Hochwasser gab, das für den gesamten Rhein maßgebend war. In den Teilgebieten wurden jeweils andere Hochwasser als größtes Ereignis beobachtet (vgl. auch die Seite über die Hochwasser-Historie).

Hochwasser entstanden und entstehen durch extreme Witterungsbedingungen und anhaltende, starke Niederschläge. So z.B. das außerordentliche Katastrophenhochwasser zum Jahreswechsel 1882/83:

Ende 1882 kamen zu einer Schneeschmelze ungewöhnlich hohe Niederschläge von denen insbesondere das Mittelrheingebiet sowie die Nebenflüsse Main, Lahn und Mosel betroffen waren. Nach dem Absinken des Wasserstandes trat eine Frostperiode ein. Der mit Feuchtigkeit gesättigte Boden gefror. Es folgten Niederschläge, die ihren Höhepunkt am 26./27. Dezember erreichten. Gleichzeitig führte warme Luft zum Abschmelzen des Schnees. Der meiste Regen fiel im Schweizer Jura, Alpenvorland und südlichen Schwarzwald. In drei Tagen (25. bis 27. Dezember 1882) fielen beispielsweise in Altdorf (Schweiz) 102 mm, in Zürich 78 mm, in Baden 148 mm und in Höchenschwand (Schwarzwald) 213 mm Niederschlag. Die Hochwasserwellen von Aare und Hochrhein wurden noch durch die Gewässer des Schwarzwaldes und der Vogesen erhöht. Die Deiche brachen an so vielen Stellen (siehe obige Abbildung), daß die Hochwasserwelle am Mittelrhein bereits gedämpft ankam. Die Hochwasserwelle des Neckars erreichte die Mündung drei Tage früher als die Welle des Oberrheins, so daß am Mittelrhein durch das Neckarwasser unterhalb der Mündung bereits höhere Wasserstände erreicht wurden als durch die eigentliche Rheinwelle.


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