Fachbegriffe für Nicht-HydrologInnen

(Wir haben uns Mühe gegeben...)

Auf dieser Seite wird erläutert, was unter folgenden Begriffen zu verstehen ist:

Der Wasserkreislauf:

Ein Teil des Wassers auf der Erde befindet sich in einem ständigen Transportprozeß. Dieser setzt sich aus den Vorgängen des Niederschlages, des Abflusses, der Verdunstung von der Erdoberfläche ("Evaporation") und von Pflanzen ("Transpiration") und des Wasserdampftransportes in der Atmosphäre zusammen. Betrachtet man ein Teilchen, so fällt es als Schneeflocke oder Regentropfen zur Erde, versickert dort und fließt später in einem Gewässer ("Vorfluter") zum Meer. Es verdunstet von der Meeres- oder Festlandoberfläche und wird in Form von Wasserdampf oder kondensiert als Wolke in der Atmosphäre über große Entfernungen transportiert.

Das Hochwasser:

Ein Hochwasser ist ein zeitlich begrenzter Anstieg des Durchflusses und damit des Wasserstandes über den langjährigen mittleren Abfluß/Wasserstand. Der langjährige mittlere Abfluß kann über die Statistik oder die örtlichen Gegebenheiten (das Einzugsgebiet) bestimmt werden. Ein Hochwasser entsteht durch heftige Niederschläge oder Katastrophenereignisse. Wichtig: Hochwässer traten schon immer auf und werden immer wieder auftreten! Sie sind Naturereignisse.

Wichtige statistische Kenngrössen:

Wichtige statistische Begriffe für Hochwässer:

Es gibt im Zusammenhang mit Hochwässern auch noch Begriffe, die entweder die Entstehung der Hochwässer kennzeichnen (Schneeschmelz-HW, Regen-HW etc.), die Jahreszeit des Auftretens von Hochwässern (Sommer-HW, Winter-HW) oder die Größe der vom Hochwasser betroffenen Gebiete (kleinflächige HW, großflächige HW). (Dies hängt von der Fragestellung des Wissenschaftlers ab.) Da einem Betroffenen letztendlich erst einmal egal ist, wie die Wassermassen entstanden sind, die sein Haus oder seine Stadt überfluten, soll hier nicht näher darauf eingegangen werden. Interessant ist eher die Frage, ob sich ein Hochwasser verhindern oder eindämmen läßt und wie sich der entstehende Schaden gering halten läßt.

Der Kamel- bzw. Dromedar-Effekt:

Was ist - um kurz die biologischen Kenntnisse in Erinnerung zu rufen - der Unterschied zwischen einem Kamel und einem Dromedar? Das Kamel hat zwei, das Dromedar nur einen Höcker. Diese sehr anschauliche Unterscheidung wird von den Wissenschaftlern auf eine Erscheinung angewandt, die bei großflächigen Hochwässern (wie die, die Köln unter Wasser setzten) auftritt.

Bei der Einmündung eines Flusses in einen anderen addieren sich die Abflußmengen. Jeder Fluß trägt - bei Hochwasser - einen "Höcker" (die Form der Hochwasser-Ganglinie legt diese Bezeichnung nahe) zur Gesamtmenge unterhalb der Mündung bei. Diese "Höcker" können zu unterschiedlichen Zeiten oder gleichzeitig ankommen. Es ergeben sich daraus die zwei folgenden Fälle:

Der Kamel-Effekt: Die "Höcker" treffen beim Zusammenfluß der beiden Flüsse nacheinander ein. Unterhalb des Zusammenflusses können, weil die erste Wassermasse beinahe schon vollständig durchgeflossen ist, zwei Abflußscheitel festgestellt werden. Der maximale Wasserstand wird hauptsächlich von einem der Teilflüsse bestimmt.

Der Dromedar-Effekt: Die "Höcker" der beiden hochwasserführenden Flüsse treffen gleichzeitig ein. Unterhalb des Zusammenflusses kann nur ein Abflußscheitel festgestellt werden. Der maximale Wasserstand wird von beiden Teilflüssen verursacht.

Wovon hängt der Effekt ab?

Wichtig für den Kamel- oder Dromedar-Effekt ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Flüssen, d.h. wie lange die Wassermasse braucht, um z.B. von Basel nach Koblenz oder von Trier nach Koblenz zu kommen. Ein weiterer Faktor ist die Zugrichtung des Niederschlagsgebietes. Zieht es mit der Wassermasse mit, so ist eher mit einem Dromedareffekt zu rechnen. Grund: die Hochwasserscheitel der kürzeren Zuflüsse können eher mit dem Hochwasserscheitel des längeren Hauptflusses zusammentreffen.

Warum "früher" und "heute"?

Untersuchungen im Rheingebiet haben gezeigt, daß sich durch den Ausbau und die Flußbegradigungen die Fließgeschwindigkeit deutlich erhöht hat, d.h. eine Wassermasse, die vor dem Ausbau mehrere Tage von Basel bis Koblenz brauchte, benötigt heute viele Stunden weniger. Bei einem Regenereignis wie jenem, das zur Überflutung der Kölner Innenstadt 1993 führte, wäre es - nach Modellberechnungen - an den Einmündungen der Rheinnebenflüsse in den Rhein ohne den Oberrheinausbau "nur" zum Kameleffekt gekommen. Durch den Oberrheinausbau bildete sich jedoch der Dromedar-Effekt heraus. Ganz konkret könnte es durch den Flußausbau der maximale Wasserstand um so viel Zentimeter höher sein, daß es zur Überflutung der Deiche und der Hochwasserschutzmauern kommt. Die folgenschwere Erhöhung der Fließgeschwindigkeit des Rheins soll durch Auenrückgewinnung, Nutzung ehemaliger Altarme des Rheines und einem neu geschaffenen Angebot an Überflutungsflächen ("Poldern") gebremst werden, so daß eher ein "Kamel" als ein "Dromedar" zustande kommt.


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