Hochwasser am Yangtse und am Indus

Von Arne Panesar

Bei aller Besorgnis und Aufgeregtheit um die "Extremhochwässer" bei uns sollte nicht vergessen werden, daß das Hochwassergeschehen in anderen Regionen der Erde ganz andere Dimensionen hat als bei uns. In China und Indien, in Bangladesh und in Pakistan, aber auch in Südamerika, kosten Hochwässer und Schlammlawinen Tausenden von Menschen jedes Jahr das Leben. Die nachfolgende Text erläutert die Hintergründe der Hochwasserkatastrophen in der Dritten Welt.

Hochwasser am Yangtse

Bei Hochwasser sind riesige Städte und 200 Millionen Einwohner bedroht.

40% des Einzugsgebietes des Yangtse ist nach starken Abholzungen von Bodenerosion betroffen. Um Landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen wurden längs des Flusses zahlreiche Seen und Feuchtgebiete zugeschüttet. Beide Maßnahmen tragen zu den immer größeren Hochwassern in der Regenzeit bei.

Menschgemachte Ursachen:

Vor allem durch Abholzung und Landgewinnung kommt es am Yangtse immer öfter zu Hochwasserkatastrophen. Die Abholzung führt neben Bodenerosion auch dazu, daß die Böden den Regen nicht mehr speichern können. In der Regenzeit führt das plötzlich abfließende Wasser zu stärkerem Hochwasser. Durch die Landgewinnung, d.h. vor allem das Zuschütten von Seen und Feuchtgebieten werden in großem Ausmaß Flächen vernichtet, die als Auffangbecken für die Hochwassermassen dienten. Auch auf diese Weise wird die Hochwasserwelle vergrößert. Die Folgen für die Bevölkerung sind dramatisch.

Ausmaße der Hochwasserkatstrophe im Sommer 1996:

Brot oder Hochwasser - Landgewinnung am größten See Chinas

Um landwirtschaftliche Anbauflächen zu gewinnen, wurde die Fläche des Dongting im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich verringert. Der einstmals größte See Chinas erfüllt heute seine Funktion als Auffangbecken für die Hochwasser des Yangtse-Flusses nicht mehr. Die nahegelegene Stadt Wuhan erlebt jetzt fast jährlich Hochwasserkatastrophen, wie sie früher nur einmal in 100 Jahren auftraten. Hochwasser statt Brot - Die Landgewinnung ist eine der Ursachen für die Hochwasser die die Ernte zerstören

Das "Land der tausend Seen" liegt oberhalb des Dongting-Sees, in der Provinz Hubei. Wenn dem Yangtse das Flußbett zu eng wird, saugen hier die Seen und Flüsse das Hochwasser wie ein gigantischer Schwamm auf - und schützen so die Städte und Dörfer am Unterlauf. Um Ackerland zu gewinnen wird jedoch die wasserbedeckte Fläche jährlich um 200 Quadratkilometer verkleinert.

Sommerhochwasser des Yangtse füllen die verbliebenen Bereiche immer rascher. Immer öfter gibt es danach dramatische Hochwasserkatastrophen. 1989, 1990, 1991, 1993, 1995 und 1996 kam es zu Überschwemmungen die als "Jahrhunderthochwasser" bezeichnet wurden.

Die Landgewinnung in der Provinz Hubai, die den Menschen Nahrung bringen sollte, hat auch die Hochwasser verschlimmert. Fast jährlich sind nun die Ernten ganzer Dörfer bedroht. Auf 2 Milliarden Mark schätzte die lokale Regierung die Schäden 1996 allein in der Provinz Hubei.

Der Indus - Lebensader und tödliche Bedrohung

Zur Flutkatastrophe im September 1992 und ihren Folgen

Der Indus durchbricht auf seinem Weg von der eisigen Hochebene Zentralasien bis ins glühendheiße pakistanische Tiefland die höchste Wasserscheide der Welt: den Himalaya-Hauptkamm. Das ist ihm gelungen, weil er älter ist als die Bergketten, die sich auffalten seit sich die indische Scholle in das eurasische Festland schiebt. Er verbindet dabei die Länder China, Indien und Pakistan.

Vor allem im Fünfstromland, dem Punjab wird sein Wasser zur Bewässerung, als Trinkwasser und etwas stromaufwärts, zur Energiegewinnung genutzt. 70% der gesamten Wassermenge des Indus und seiner Seitenflüsse Jhelum, Chenab, Ravi und Sutlej werden im Tiefland benutzt, um 17 Millionen Hektar Agrarfläche zu bewässern. 140 Millionen Menschen erhalten ihr Trinkwasser aus diesem Flußsystem und mit den zahlreichen Staudämmen wird die Hälfte der von Industrien benötigten Energie gewonnen.

Wenn jedoch in manchen Sommern die Schneeschmelze im Gebirge mit außergewöhnlich starken Monsunregen zusammenfällt, kann sich der Indus zu einer vernichtenden Wasserwalze aufbauen. Beim Hochwasser von 1992 hinterließ eine solche Megaflutwelle eine bis zu 150 Kilometer breite Spur der Zerstörung.

Sämtliche Stau- und Schutzdämme haben bislang nichts daran geändert, daß der Indus für Land und Leute Lebensader und tödliche Bedrohung in einem ist. (Zusammengefaßt aus J. Scholz, "Der Indus" in: Th. Hoffmann, "Wasser in Asien", Secolo Vlg. Osnabrück)


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